Über die Strassen der Welt per Rad.........

 

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11.03.2013

Merhaba, Hallo Türkei!

hallo tuerkei

Ja nun sind wir wieder unterwegs, nachdem wir zwei Tage in einer Karawanserei in Kusadasi gewohnt haben, uns die Stadt und alte Steine in der antiken Stadt Ephesus angeschaut haben starten wir bei Sonne und noch etwas frischen Temperaturen. Und was sollen wir sagen das Radfahren fällt noch schwer, die Beine wollen noch nicht so wie sie sollen und die Türkei ist weiß Gott nicht Holland, obwohl es immer wieder Ebenen gibt, die uns an die Nordsee erinnern. Viele Ausgrabungsstätten liegen auf der Strecke, besonders gut hat uns Milet gefallen, ein großes Amphitheater, von dessen obersten Plätzen man einen schwindelerregenden und gigantischen Ausblick auf die umgebende Landschaft hat. Die antiken Gebäude liegen eingebettet in urwüchsige Natur, einige Bauten sind geflutet und während man umherschlendert quaken einem die Frösche ein Konzert.
Für unsere Übernachtungen müssen wir etwas erfinderisch sein, so schieben wir an einem Abend unsere Räder ab  von einer nicht enden wollenden Baustelle über einen Pfad in einen Olivenhain. Ganz geheim gelingt uns das nicht,  Osman hat uns doch entdeckt, er hält Wache auf der Baustelle. Wir erklären ihm, das wir hier Zelten wollen. Er kramt ein paar verblasste Deutschkenntnisse von seinem zweijährigen Deutschlandaufenthalt hervor und macht sich Sorgen um uns und unsere Sicherheit in der Nacht. Es gibt einen alten Mann, dem hier alles gehört, vielleicht wird er morgen sehr früh Holz machen wollen und da gibt es noch ein Schwein! Irgendwann sieht er ein dass es keine andere Lösung gibt. Aber wir müssen noch zu ihm kommen und einen Tee mit ihm trinken, dazu schenkt er uns noch seine gesamten Essensvorräte, Brot, Tomate, Gurke und Honig, damit wir wenigstens nicht verhungern. Die Nacht wird dann auch wirklich etwas unruhig, immer lauschen wir um uns herum und tatsächlich wandert da etwas rüffelndes, Steine umwühlendes des Nachts um unser Zelt. Alle halten den gebührenden Abstand ein und so findet jeder was er braucht, wir etwas Schlaf und das Schwein sein Futter.
Eine neue Sprache will gelernt werden, der Muezzin begleitet uns durch den Tag, bezahlen in türkischen Lira, was ist nun wirklich ein Kebab, jede Menge Chay und die neue Einheit 2 Tage radeln oder ein Dolmus. Diese wunderbaren weißen Minibusse vernetzen alle Orte, flitzen in engmaschigem Rhythmus über die Straßen, man braucht nur den Daumen raushalten oder zur nächsten Dolmusstation, die es in jedem Dorf gibt, fahren, und schwubs kann man auf den weichen Sitzen platznehmen und die Beine etwas schonen.
Wir sind an der Südküste angekommen, in Dalyan, einem gemütlichen Ort am Dalyan Fluß. Der Fluß mündet über ein weites Delta ins Meer und durch dieses Delta bringen einen viele kleine Boote zum Isutzu Strand, ein fast unberührter Strand , an dem im Sommer die Caretta Caretta ( Meeresschildkröten) ihre Eier in den heißen Sand legen.
So aber morgen wird wieder geradelt und nicht geturtelt.

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22.03.2013

Lykische Küste und Radlerpannen

Lykische Kueste

600 Höhenmeter auf 6,5 km quälen wir uns von Kas bergauf. Oben sind fast alle unsere Kräfte aufgebraucht, aber von einer langen Pause halten uns 13 ° und ein kühler Wind ab, auch die Sonne will keine wärmenden Strahlen durch die Wolken werfen. Da kommt uns eine Tankstelle mit Restaurant gerade recht. Wir bestellen Pide. Der Kellner trägt Unmengen an Vorspeisen, Salat , Brot auf und dann ganz stolz ein 1,35m langes Brett mit Pide. Umso mehr Essen auf unserm Tisch landet, desto weniger Appetit verspüren wir, probieren etwas, aber mir steht es bis zum Hals und bei Christian will es gleich in die andere Richtung. Wir sind peinlich berührt, lassen alles einpacken und entschuldigen uns. Wir sind auch wirklich bescheuert, direkt nach einem „ Marathon“ groß essen wollen, na dann also learning by doing! Aber auch am Abend nach der Ankunft in Demre, wir haben nur einen etwas ungemütlichen Zeltplatz im Hinterhof eines Restaurants ergattert will der Darm nicht Ruhe geben. Doch wir dürfen die Toilette eines leer stehenden Hotels benutzen.
Am nächsten Morgen schönster Sonnenschein, aber wir noch etwas bleich um die Nase. So entschließen wir uns doch für eine Dolmusfahrt, erst eine wunderschöne Küstenstrecke mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund, oh wie gerne wären wir die doch gefahren, und dann 500 hm rauf über feinsten Schüttelasphalt, oh wie gerne sitzen wir im Dolmus. Fast noch oben auf dem Berg dürfen wir aussteigen, wollen nach Cirali runter an die Küste, also los, rauschende Abfahrt, bis 10% Gefälle, noch nicht wieder ans Rauffahren denken, sonst kippt die Laune. Unten landen wir in Olympos, ein Ort bestehend aus Baumhauspensionen in einer engen Schlucht. Die Straße wird zum unbefestigten Weg, dann durch eine Wasserfuhrt, Christian fährt mutig drauf zu und muss mittendrin absteigen, nasse Schuhe juchhe. Sehr idyllisch und gediegen, aber wollten wir hier hin, wollten wir nicht nach Cirali? Ja leider die falsche Abfahrt genommen. 20 km Straße zurück? Es gibt noch eine andere Lösung, über den Strand ist es nur 1 km bis nach Cirali. Das schauen wir uns doch mal an. Dafür muss man vorher noch eine Eintrittskarte für die Ausgrabungsstätte, die vor dem Strand liegt, kaufen, durch die elektronische Schranke, dann durch die Ausgrabungsstätte, durch einen Bach, Schuhe wieder nass und dann mal den Strand in Augenschein nehmen. Christian nimmt das ganze etwas weiter in Augenschein, tiefer Sand und noch ein breiter Fluss zu durchwaten, ohje. Dann bleiben wir doch besser in Olympus, also zurück, Bach, Ausgrabungsstätte, elektronische Schranke. Wir fragen in den Baumhauspensionen, ob wir unser Zelt irgendwo aufstellen dürfen, aber keiner will uns einen Platz geben, nur Zimmer vermieten, das wollen wir nicht. Der einzige Campingplatz liegt weiter oben, hinter der Wasserfurt, und hat wahrscheinlich noch geschlossen. Also doch über den Strand. Ich muss glaube ich nicht sagen, das wir eigentlich nur ankommen, Zelt aufbauen und schlafen wollen!!!!! Also durch die elektronische Schranke, durch die Ausgrabungsstätte, durch den Bach, 1 km über den Strand durch tiefen Sand, durch den breiten Fluss……..angekommen.
Cirali ist toll, Campingplatz im Hippiestil und abends rollen noch Sabine und Bernd auf den Platz. Die ersten Reiseradler, die wir in der Türkei treffen. Da gibt es viel zu quatschen.
Die lykische Küste ist fast abgeradelt, ein toller, abwechslungsreicher Landstrich. 90 km sind es noch bis Antalya, wir werden uns Zeit lassen, da wir die Bergspitzen noch immer schneebedeckt sehen, haben wir es nicht eilig dort hin zu kommen. Ist doch der Frühling mit angenehmen Temperaturen hier an der Küste in vollem Gange.

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02.04.2013

Frohe Ostern wünschen wir euch allen!

Irgendwo zwischen Antalya und Side wird uns bewusst, dass wir nun bald das Mittelmeer hinter uns lassen werden. Seit Venedig begleitet uns seine Küste mit nur kurzen Unterbrechungen. Der Abschied fällt uns nicht so leicht. Dieser Teil der Küste ist vom Massentourismus geprägt, gefällt uns Antalya mit seiner schönen Lage, den schneebedeckten Bergen im Hintergrund und der Altstadt Caleici, überraschend gut, so hat man im von riesigen, luxuriösen Hotelanlagen zugebauten Side das Gefühl gar nicht mehr in der Türkei zu sein.  Touristen überall, man spricht deutsch, kann in Euro bezahlen, Souvenirshops aufgereiht, an der Promenade sorgt Security  für Ordnung, eine skurrile Scheinwelt.
Haben wir eben in einem großen Hotel noch Tee und Kuchen, aber keinen Zeltplatz im Garten bekommen, fühlen wir uns ein paar Kilometer landeinwärts wieder in die Welt zurückversetzt, in der wir uns wohlfühlen. Bei der abendlichen Suche nach einem Zeltplatz, treffen wir einen Hirten. Während er Christian einen guten Zeltplatz zeigt bekomme ich den Hirtenstock in die Hand gedrückt und soll auf die Ziegen aufpassen. Keine verlorengegangen!
Für uns ging es in die Berge, das Taurusgebirge will überwunden werden. 90 km größtenteils bergauf, der höchste Pass 1800 m, sehr anstrengend, da darf uns ein Dolmus mal wieder etwas helfen. Der ganze Bus hat sehr viel Spaß daran, unsere Räder blockieren den Mittelgang und immer wenn jemand von den hinteren Sitzplätzen aussteigen will, muss er über unsere Räder klettern, unter Gegröle und Gelächter. Unglaublich diese Gelassenheit! Für unsere Anstrengung beim Radfahren werden wir mit tollen Landschaften belohnt. Sind die Berghänge erst noch sehr bewaldet, wird die Landschaft Richtung der Hochebene um Konya immer karger, immer wieder unterschiedliche Felsformationen und tiefe Schluchten, dann fast ein bisschen wüstenähnlich und dementsprechend dunstig und staubig stellt sich der Blick über die Ebene dar. Die hohen Berge tragen immer noch Schneekappen, die Temperaturen steigen über Tag bis an die 20 ° und fallen in der Nacht noch bis zu 4° ab.
Wir lieben die überraschenden Begegnungen mit den Menschen hier, ob wir in ein kleines Dorf abbiegen, mitten auf einem Markt landen und die Attraktion des ganzen Ortes sind. Jeder heißt uns willkommen, will uns zum Cay einladen. Wir kaufen Obst und Gemüse, Eier für Ostern und ein Kopftuch, damit ich für Moschee besuche ordentlich gekleidet bin, während ich in Farben und Mustern  schwelge, nicken mir einige Frauen zustimmend zu, während mir eine ältere Frau in die Seite bufft, so nach dem Motto, das brauchst du doch gar nicht. Christian ist derweil umzingelt von den Männern und muss mit Händen und Füßen von unserer Reise berichten. An anderer Stelle hat uns am Morgen auf einem versteckten Übernachtungsplatz doch jemand entdeckt, wirkt erst etwas aufgeregt, doch als wir ihm versichern können, das wir verheiratet sind, ist für ihn alles in Ordnung. Manchmal hält einfach mitten vor uns ein Bus, die Insassen steigen aus, begrüßen uns, halten einen Plausch mit uns, steigen wieder ein und brausen davon. Allerdings hat man nach einem langen Radtag auch manchmal keine Lust mehr zum zigsten mal zu erklären, das man aus Alemania kommt und die Tükei sehr mag.
So sind wir nun in Konya angekommen, die 6. größte Stadt der Türkei, Stadt der Derwische und Pilgerstätte für Islam Gläubige. Sie pilgern zum Sarkophag Mevlanas, einem wichtigen Gelehrten und Philosophen. Eine große Stadt unter einer Dunstglocke, im Zentrum noch sehr konservativ geprägt und in den Randgebieten unglaublich modern und herausgeputzt. Wir ruhen uns aus im 9. Stockwerk eines Wohnhauses am Stadtrand bei Hüseyin und seinem Vater, die uns eine wunderbare warmshowers Unterkunft geben.

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11.04.2013

Moderne Seidenstraßenromantik

moderne Seidenstrasse

Wir sitzen im Innenhof einer Karavanserei in Sultanhani, ein Relikt aus den Zeiten als kostbare Waren über diesen Weg von Ost nach West und zurück, noch mit Kamelen transportiert wurden. Man betritt den Innenhof durch ein großes Eingangstor welches mit arabischen Schriftzeichen verziert ist.  Vor dem Tor liegen 3 anatolische Hirtenhunde total relaxt und nehmen keine Notiz von uns. Umgeben von dicken Mauern befinden sich rund um den Innenhof dunkle Räume und Bogengänge in denen die Seide sichern lagern konnte, während Kaufleute und Kamele sich ausruhten. Wir suchen uns eine Bank in der Sonne, genießen die Atmosphäre, Ruhe und Vogelgezwitscher und dann ruft der Muezzin zum wichtigsten Gebet der Woche dem Freitagmittagsgebet. So ist die Vergangenheit zum Greifen nah, doch oft nur für diesen kleinen Moment.
Die Lasttiere der modernen Seidenstraße sind tonnenschwer und donnern über die meist 4 spurig ausgebauten Straßen der Türkei. Als wichtigstes Transportgut wurde die Seide mittlerweile durch Beton, Baustahl und Touristen ersetzt. Ok, sie sympathisieren mit uns, lassen uns genügend Platz auf unserem Randstreifen, liefern uns ein Begrüßungshupkonzert und freuen sich über unseren Gruß. Wo früher der Dung der Lasttiere am Wegesrand zu finden war entdecken wir immer wieder Plastikflaschen mit merkwürdig gelber Flüssigkeit. Was mag da nur drin sein? Und wie kommt es da hinein? Gedanken am Wegesrand! Wir machen unsere Pausen mal einfach neben der Staße, strecken unsere Beine aus zwischen Dornengestrüpp und merkwürdigen Plastiktütenpflanzen oder in einer der modernen Karavansereien, namens Tankstellen. Hochmodern liegen Sie alle paar Kilometer an der Strecke und übernehmen die Versorgung von Mensch und Maschine. Meistens gute Sanitäranlagen, immer eine kühle Cola und den Cay gibt’s für jeden gratis dazu. Auch zur Übernachtung bieten sich diese modernen Karavansereien durchaus mal an, findet sich doch irgendwo ein Eckchen Grün für unser Zelt. Sogar einen Tag im Regen haben wir dort überstanden. Und wieder hängen wir einen Tag fest, lag es nun an einem Cay Appell zu viel oder an einer der Art Toiletten: Stehklo, Wasserhahn mit Plastikbecher oder zerbeulter Plastikflasche wo einem die linke Hand zum Reinigen des Allerwertesten helfen soll (wir haben natürlich immer etwas Klopapier dabei). Diese Klos werden eingebaut und für die Reinigung vertraut man auf Allah, aber wir können nur sagen: 5-mal beten hilft auch an der Moschee nicht. Während wir über diese Straßen rollen fragen wir uns ob man hier noch Radfahren kann wenn das Verkehrsaufkommen zu den meist gigantischen Straßen passt. Wirken doch jetzt schon einige von den einfachen Dörfern am Wegesrand wie deplatziert. Die Türkei wirkt auf uns modern und aufstrebend, braucht die Türkei Europa? oder Europa die Türkei? Ein moderner Wind wehte die letzten Tage über die Steppe, wirbelte viel Staub auf und versuchte uns an den Asphalt zu tackern. Wir biegen nun von der großen Straße ab und suchen auf Nebenstraßen, anstatt nach Kamelen, mal wieder nach etwas unberührter Natur!

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20.04.2013

Kappadokien

Kappadokien

Die letzte Etappe vor Kappadokien liegt heute vor uns, 70 km noch bis Göreme. Wir hatten einen schönen Zeltplatz mit Aussicht gefunden, doch in der Nacht hat es kräftig geregnet. Mit klammen Fingern, bei 4 Grad, packen wir alles ziemlich nass zusammen. Gut 100 hm mehr und wir hätten wohl Schnee gehabt, die kalte Luft zieht die Berghänge herunter. Einer der wenigen Tage an denen wir unsere warmen Handschuhe aus der Tasche kramen. Die ersten Anstiege bringen unseren Kreislauf in Schwung und färben unsere Wangen rot. Irgendwann bricht die Sonne durch die Wolken, schickt uns wärmende Strahlen und die Räder kommen ins Rollen, es geht sanft bergab, dazu gleitet unser Blick über weite Landschaft, karge Berge leuchten in unterschiedlichen Farben, ein kleines Dorf, die Kuppel der Moschee blendet  golden in der Sonne, hinter dem Dorf zieht sich eine zerklüftete Schlucht ins Gebirge. Ein Stückchen weiter gerollt und schneebedeckte Gipfel, davor grüne Wiesen und Felder, bilden die Kulisse neben der Straße. Es ist so schön, dass ich Schlangenlinien auf der Straße fahre, weil ich immer wieder in alle Richtungen schauen möchte. Ja, das sind sie, die Glücksmomente, für die wir Radfahren. Es sind oft die kleinen Dinge am Wegesrand, Begegnungen, überraschende Ausblicke, wenn am Abend unser Zelt steht und wir uns auf der Matratze ausstrecken, im Schlafsack warm werden und genüsslich eine Tasse Tee trinken, oder wenn man nach 2 Tagen Katzenwäsche unter eine gute, heiße Dusche springen darf.
Genauso am Abend, wir warten gespannt auf den ersten Ausblick auf die Feenkamine und Tuffsteinhügel Kappadokiens, sind schon ganz nah dran, finden vor lauter Schildern den Abzweig nach Göreme nicht, fragen nach dem Weg, biegen um die nächste Ecke und da liegt alles vor uns. Von oben schauen wir über eine faszinierende Landschaft. Geschaffen aus der Lava der Vulkane, bearbeitet von Wind und Wasser, hat dieses Gestein einzigartige Formen gebildet. Sogar wohnen kann man in Tuffstein. Wir nehmen ein Zimmer im Hotel, wohnen in einer Höhle, schiefe Wände und etwas dunkel. Igeln uns in unsere Höhle mal zwei Tage ein, genießen es auch mal die Tür zu machen zu können. Dann fahren wir unsere längste Tagesetappe von 750 m zum Campingplatz. Wir unternehmen Touren in die einzelnen Täler und entdecken wundersame Steinformationen, die einen sagen Spargel, die anderen Riesenschniedel : )
Doch wo soll es nun weiter gehen? Wir haben oft nur bis Kappadokien fest geplant. Ach wenn wir es bis da schaffen! Manchmal ist die Freiheit auch anstrengend. Auf dem Campingplatz finden wir klasse Beratung und Inspiration von anderen Globetrottern, gleich zwei Reiseteams sind mit dem Wohnmobil unterwegs in die Mongolei und ein Pärchen ist nach 3 Jahren durch Nord- und Südamerika und Afrika auf dem Heimweg nach Deutschland.
Und wir …..?

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23.04.2013

Visa, Visi, Visürüm

ankara

Ein Plan ist geschmiedet. Wir begeben uns  schnellstmöglich nach Ankara, um ein Iran- Visa zu beantragen und dann am nächsten Mittwoch, mit dem einmal wöchentlich verkehrenden Trans Asia Express, nach Teheran zu reisen.
Unsere Räder werden in einen der modernen Überlandbusse verstaut, wir nehmen Platz auf bequemen Sitzen, so verlassen wir Kappadokien. Diese Art zu reisen ist in der Türkei sehr beliebt, die Busse sind mit allem Komfort ausgestattet. Vor jedem Sitz ein kleiner Flachbildschirm mit Kopfhörer für TV und Musik, Wifi an Bord und ein Steward, der einem während der ganzen Fahrt Tee, Kaffee, Erfrischungsgetränke und Kuchen serviert.  Die Busse picobello sauber und Busfahrer und Steward fein in Anzug, Hemd und Fliege. Und das Ganze ist echt nicht teuer. Knapp 15 Euro kostet die 4, 5 stündige Fahrt pro Person.
Ankara, die türkische Hauptstadt, 4, 5 Mio. Einwohner, erschlägt uns erst mal, ewig fahren wir in das Stadtgebiet ein, vor unseren Augen breitet sich eine riesige Stadt über mehrere Berge aus. Radfahren erscheint nicht möglich auf den vollgestopften Straßen. Der Verkehr braust schnell, wild hupend fährt jeder wo er eine Lücke entdeckt. Wir beziehen ein sehr nettes Zimmer in einem sympathischen Hostel. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur iranischen Botschaft. Ohne Einladungscode kein Visa, da gibt es nicht viel zu reden und so stehen wir schnell wieder vor der Botschaft. Ja den Code haben wir ja auch schon vor drei Wochen beantragt, aber seit wir das Geld überwiesen haben, bekommen wir von der Agentur nichts mehr zu hören, weder über Mail noch über Telefon. Ziemlich frustriert latschen wir durch die Straßen und überlegen, was wir tun können. Unser Blick bleibt an einer Busagentur hängen, an der alles in persischen Schriftzeichen ausgewiesen ist. Wir fragen ob uns hier jemand ein Visum besorgen kann, nach einigen Telefonaten ist das anscheinend möglich, wir sollen in 2 Stunden wiederkommen, dann ist jemand da, der uns zu helfen kann und in ein bis zwei Tagen sollen wir unser Visum haben. Wir möchten es gerne glauben. Zwei Stunden später sitzen wir wieder in der Agentur, füllen unsere Visaanträge aus, kopieren unsere Pässe. Ein Einladungscode wird über ein iranisches Reisebüro angefordert, soll in zwei Tagen da sein. Jetzt heißt es warten.
Wir erkunden die Stadt, es gibt riesige, moderne Einkaufszentren. Auf einem Hügel  kann man das Attatürk Mausoleum, ein Heldenmonument, besuchen oder in Ulus durch die Altstadt mit feinsäuberlich renovierten, osmanischen Häusern spazieren. Auf dem Hügel der Altstadt landen wir an der Haci Byram Moschee, eine muslimische Pilgerstätte. Auf einmal befinden wir uns mitten zwischen streng gläubigen Muslimen, um uns nur noch Frauen mit Kopftuch und Figur verschleiernder Kleidung, viele beten. Hunderte von Männern haben sich mitten auf dem Platz zum Gebet aufgereiht, das gleiche Bild in den Gassen bergab, direkt vor unseren Füßen werden die Gebetsteppiche ausgerollt, so dass wir uns umständlich, über Hindernisse kletternd, unseren Weg weiter bahnen müssen. Selbst an der Hauptstraße wird noch reihenweise Richtung Mekka gebetet, während ein paar Meter weiter das nächste“ Einkaufsmekka“ wartet.
Hier in dieser Stadt sind wohl wir die Exoten, auf einer Brücke im Park sprechen uns schüchtern zwei türkische Damen an, ob sie vielleicht ein Foto mit uns machen dürfen. Aber gerne doch!
Leider hat alles Warten und Zeit vertreiben noch nichts genutzt, wir haben weder einen Einladungscode, noch ein Visum in unserem Pass, wir checken ungefähr alle 10 Minuten unsere Mails, der Zug fährt morgen ohne uns ab, die Laune unserer Reisegruppe könnte besser sein. Morgen steigen wir auf jeden Fall erst mal wieder aufs Rad, raus aus der Stadt und dann mal sehen…..

Fotos

06.05.2013

Von Asien nach Amsterdam

istanbul

Weicher, warmer Sand kitzelt unter der Fußsohle. Weite, ein unendlicher blauer Himmel breitet sich über uns aus und eine frische Brise weht uns die bekannte, salzige Luft in die Nase. Die Nordseehnsucht hat uns wieder voll im Griff, wir sind in Holland, lassen uns an der Küste ausrollen.
Ok, jetzt mal auf den Anfang des Rückweges zurück. Irgendwo am Straßenrand in der Nähe von Karabük ist uns die Motivation fürs weiterradeln verlorengegangen. Ein Stahlwerk pustet Dreck in die Luft, er brennt in unseren Atemwegen, auf der vierspurigen Straße tun die Autos das übrige dazu. Immer wenn wir glauben wir haben den Anstieg gemeistert, tut sich vor unseren Augen der nächste auf. Wir fluchen, schimpfen und heulen. Normalerweise stehen wir danach auf und sagen: Jetzt pack mers! Diesmal ist es anders, wir wollen nicht weiter, genug geradelt in der Türkei, wir lassen uns zum Busbahnhof in den Ort zurückrollen. Da der Iran uns immer noch nicht sehen will, kein Visum, kein Code, lassen wir auch dieses Ziel schweren Herzens  ziehen und stehen am folgenden Abend um Acht auf dem Otogar, der Busstation, in Istanbul. Es ist schon Dunkel, aber der Platz wird rundherum mit Scheinwerfern beleuchtet. In gleichmäßigem Rhythmus schieben sich große Reisebusse auf den Platz. Die Menschen strömen aus den Bussen in Kleinere, die sie dann dem Stadtzentrum näher bringen. Wir stehen Mittendrin, ein glatzköpfiger Busfahrer verweigert uns die Mitnahme, hier in Istanbul scheint einiges anders zu ticken. Irgendwann stehen wir in einer Traube von Busfahren, wild diskutieren alle um uns herum, wer uns mitnimmt, das wir im Dunkeln nicht auf den Straßen fahren können, ob es ein Taxi gibt, ob wir im Busbahnhof schlafen können. Wir reichen unser Notizbuch mit der Adresse unseres gebuchten Hostels herum. Karaköy, Kadiköy?  hört sich doch alles gleich an. Ich schmunzel in mich hinein und fühle mich in diesem Moment gar nicht unwohl. Zu tief haben wir in die türkische Seele geschaut und so wissen wir, bleib einfach da stehen, sie lassen dich niemals ohne Hilfe stehen. Irgendwann haben wir überzeugt, sind wir doch mittlerweise Weltmeister im Reiseräder in Busse puzzeln. In 2 Minuten ist alles verstaut. Unser Hostel liegt in einer Kneipen und Restaurantgasse und ausgerechnet heute ist ein Fußballmatch des Lokalmatadoren Fenerbace gegen Benfica Lissabon. Jeder Platz ist besetzt und alle starren auf die Fernsehbildschirme. Uns bemerkt eigentlich keiner. Wir kommen kaum durch die Gassen, können unser eigenes Wort nicht verstehen. Im Hostel angekommen, stellen wir fest, dass es dort eigentlich keinen Platz für unsere Räder gibt. Sie werden letztendlich am Geländer der Feuerleiter angebunden. Den ersten Schritt auf europäischen Boden machen wir nach der Bootsfahrt über den Bosporus. Auf der europäischen Seite liegen die bekannten Sehenswürdigkeiten, wie die Hagia Sopia und die blaue Moschee. Die 15 Millionen Metropole ist busy und voller Menschen. Wir schlendern durch Basare und erkunden die Stadt bis unser Flieger nach Amsterdam abhebt. Meditatives Radfahren auf perfekten Radwegen, durch Dünen, zwischen blühenden Tulpenfeldern, mit dem Duft von Hyazinthen und einer Meeresbrise in der Nase. Bei einer Warmshowers Übernachtung  dürfen in einem dieser niedlichen Hollandhuisjes übernachten und landen zufällig bei den Festivitäten der Blumentage. Dazu werden große Mosaike und Girlanden aus kleinen Blüten hergestellt, alles wunderbar geschmückt, eine Heidenarbeit!!! So lassen wir es nun gemütlich ausrollen, lassen die Eindrücke sich setzen, freuen uns über alles, was wir gesehen und erlebt haben und auf Zuhause!
So macht’s gut, hier ist erst mal Ende mit Reisegeschichten…….die Nordseehnsucht!

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