Über die Strassen der Welt per Rad.........

 

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19.08.2012

Von Abschied und Popoweh!

vor Kölner Dom

12.08.2012
Wir liegen in einem kuscheligen Bett, das Fenster ist weit geöffnet, die Sonne scheint und die Kirchenglocken läuten zum Sonntagsgottesdienst. Draußen fahren 2 Kinder mit dem Roller vorbei auf dem Weg zum Bäcker.
Und wir 2 denken: ab heute wird alles anders!
Nach monatelangem Planen startet heute unsere Reise. Immer wieder Abschied nehmen hieß es die letzten Tage, vorgestern noch eine Abschiedsparty mit der Familie. Heute haben wir alle beim Frühstück einen Kloß im Hals, einerseits weiß man dass man sich für lange Zeit nicht sehen wird, andererseits kann man dies aber noch nicht richtig realisieren. Dann rauf auf’s Rad und wir machen uns fast klammheimlich auf den Weg. Unsere Route führt uns durch das Münsterland mit Wasserschlössern und herrschaftlichen Bauernhöfen. Am Wegesrand können wir Mirabellen, Kartoffeln und Eier an einfachen Ständen erwerben. Beim Anblick der vielen Klöster und Stifte meint Christian das seine Kirchensteuer nicht mehr notwendig ist. Vom nördlichen „Ruhrpott“ wo der Radweg um viele Kraftwerke und Industrieanlagen führt bis an den Rhein auf den wir zum 1. Mal bei Götterswickerhamm treffen. Dem Rhein wollen wir folgen bis zum Bodensee. In der 1. Woche versuchen wir unseren Radalltag zu finden. Anja hat „Popoweh“! Der alte Gelsattel war kaputt und mit Ausblick auf eine so lange Tour will man es besonders gut machen und kauft eine sportlich hochwertige Variante die sich nach 5 Tagen als unbrauchbar herausstellt. So landen wir bei Düsselrad, hier werden im Hinterhof Retrofahrräder mit Liebe repariert, aufgebaut und verkauft. Dazu gehören natürlich Brooks- Sättel. Hier treffen wir auch noch die Großmutter unserer Fahrräder. Eine „junge“ Dame holt ihr himmelblaues Patriarad aus der Reparatur ( Alter unbekannt, aber war damals Fahrrad des Jahres! ) So ist Anja jetzt stolze Besitzerin eines Brooks und zum Abschied heißt es „ gib Ihm Saures, er will eingefahren werden“. Anja will tapfer sein.

Nach 7 Radeltagen sollst Du ruhen so machen wir Pause, es soll 40 °C werden und wir haben einen schattigen Campingplatz gefunden. Gegenüber die ersten Weinberge und Burgen in Königswinter.

Fotos

25.08.2012

Von Siegfried und Kriemhild! ( der Ring der Rheinradelnden )

am deutschen Eck

Ach, wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär.... dudelt der Ohrwurm und ich frage Christian, ob er das Lied auf der Mundharmonika spielen kann. Er kann, aber jetzt müssen wir radfahren. Wir haben die große Rheinschleife und Boppard gerade hinter uns gelassen, befinden uns auf der beschrieben idyllischten Rheinstrecke, das Tal wird immer enger, beidseits des Rheins erhebt sich grauer Fels, Wald und alle paar Kilometer trohnt eine Burg, die Marksburg, Burg Rheinfels, Burg Katz und Maus und wie sie alle heißen. Die Orte, durch die wir heute kommen zeigen ein Bild von Deutschland, das sicherlich viele Ausländer von Deutschland haben: Volksmusik, rustikale verschnörkelte Idylle und deftiges Essen, dazu morgens 1 Glas Wein und Mittags gerne das 2. Auf uns wirkt das Ganze doch sehr altbacken und touristisch aufgemischt und wir würden der hohen Anzahl chinesischer Touristen die im Eiltempo von alten Steinen zu altem Gemäuer hasten, den Fotoapparat immer im Anschlag, gerne erklären, das unser Deutschland doch ganz anders ist.

An der engsten Stelle des Rheins, der sagenumworbene Loreley Felsen. Wir halten nur kurz an, finden keine Stelle an der wir die Idylle in Ruhe entdecken können, durch das enge Tal wollen neben dem Rhein 2 Autostraßen und 2 doppelspurige Bahntrassen. Heiß ist es heute wieder mal, die Luft flirrt, der Radweg schattenlos und mit vielen anderen Radlern kommt uns heiße Fönluft entgegen. Wir überholen einen jungen Mann mit Tochter auf einem Hase Pino Tandem, seine Frau fährt hinterher. Später rollen sie wieder an uns vorbei, das Spiel wiederholt sich mehrmals und am Abend treffen wir uns auf dem Campingplatz wieder. Die Familie kommt aus den USA und ist ein Jahr auf Weltreise, nach Island, Schweden und dem Baltikum führt ihr Weg, wie unserer, weiter nach Griechenland und dann nach Asien, allerdings werden sie dorthin fliegen. Wir verabreden uns für November in Athen. Das Hasetandem hat am nächsten Tag eine Panne und so verlieren wir uns wieder aus den Augen. Wir suchen weiter nach idyllischer Natur an einer Strecke die geprägt ist durch Kultur und geschichtsträchtige Städte wie Koblenz, Mainz, die Nibelungenstadt Worms oder Speyer mit seinem beeindruckenden Dom. Als wir im abendlichen Sonnenlicht einen Feldweg am Rhein entlang fahren, entdecken wir eine der vielen schönen Buchten am Rhein, etwas versteckt hinter Büschen liegt ein einsamer Kiesstrand, wie gemacht für uns. Wir entern den Platz, unser Geschirrtuch wird zur Tischdecke, wir basteln ein Tapasbuffet und schauen beim Sonnenuntergang auf den Rhein. Aber was kommt mit dem Sonnenuntergang? Mücken! Erst bleiben wir noch ganz entspannt und verscheuchen mal hier und da ein paar. Aber die Mücken setzen zum Großangriff an und irgendwann heißt es: nur noch Pipi machen und ins Zelt. Und selbst das war nur permanent wild um sich fuchtelnd möglich. Unser Zelt haben wir mit etwas Hanglage aufgebaut. Nun stelle man sich eine glatte Term-a-rest Matte mit der glatten Oberfläche eines Schlafsackes vor. Die reinste Rutschpartie, die ganze Nacht immer wieder nach oben krabbeln. Na, wir müssen noch viel lernen. Aber der Platz war es wert, wunderschön ruhig, privater Badeplatz, am Morgen dampft der Rhein und mystische Nebelschwagen ziehen dahin.

Fotos

02.09.2012

Grützi miteinand!

Anja bei Breisach

So, der Rhein ist abgeradelt und wir sind am Bodensee angekommen. Die ersten 1000 km sind plattgemacht. Der Rhein hat in der letzten Woche noch einmal sein Gesicht geändert. Ab Karlsruhe bildet der Rhein die Grenze zu Frankreich, auf der französischen Seite viele Wasserkraftwerke und der Kanal für Schifffahrt, auf der deutschen Seite darf der Rhein sich vielerorts wieder natürlicher ausbreiten in weiten Auwäldern die über viele Stauwehre bewässert werden. 3 Länder standen diese Woche auf dem Plan, Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Frankreich nur als kurze Episode: als wir auf die französische Seite wechseln wollen um dort zu fahren setzen wir mit der Fähre nach Rhinau über, verfahren uns in der Stadt, landen in einer Sackgasse die ein Wohnmobilstellplatz ist und stehen nach 5 km vor einem Kraftwerk an dem Radweg kurzerhand wieder auf die deutsche Seite führt.

Die erste Stadt in der Schweiz ist für uns Basel. Vorher machen wir uns auf den Weg um in Lörrach zu übernachten. Wir haben mit Phillip und Angela unseren 1. Warmshower Kontakt. Warmshower ist eine Plattform wo Radreisende anderen Radreisenden eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellen. Das Ganze beruht auf dem Gegenseitigkeitsprinzip. Wir sind etwas aufgeregt als wir die Straße zu ihrem Haus hinauffahren. Aber alles ist super! Wir bekommen das Haus gezeigt, lernen die Mitbewohner kennen und werden lecker bekocht. Angela und Phillip sind vor 2 Monaten zurückgekommen. Ihre Reise führte in 14 Monaten über Deutschland, Skandinavien, Island, Kanada, USA, Mexiko und Mittelamerika bis nach Panama. Natürlich mit dem Fahrrad. www.undwirfahrn.blogspot.ch So sitzen wir am Abend mit Gastgebern, Familie und Mitbewohnern, allesamt reisebegeistert, auf dem Balkon und haben viel zu erzählen.

Eine gesellige Übernachtung der anderen Art hatten wir in der nächsten Nacht. Auf dem Campingplatz in Kaiseraugst, man merke sich den Namen, raschelt und knistert es mitten in der Nacht in unserem Vorzelt. Wir leuchten vorsichtig mit der Stirnlampe durchs Mückennetz dorthin, alles ruhig nichts zu sehen. Licht aus, es raschelt wieder. Irgendwann schaut Christian genauer hin, entdeckt das unser Baguette angenagt ist und sieht dann so ein Viech mit langem Schwanz vor dem Zelteingang herhuschen. O je, mitten in der Nacht rollen wir unsere Taschen ganz fest zu, spülen alles ab was herumstand. Die Ratten lassen erst von den Taschen ab als wir Antibrumm versprühen. Resümee der Nacht: kein Frühstück mehr, 2 Löcher in Anjas Vordertasche und ein Achselzucken des Campingplatzbesitzers. Einen Tag lang hat sich Anjas Magen beim Gedanken an diese Viecher umgedreht. Auch das Wetter will im Moment nicht so richtig mitspielen, wir fahren ein kurzes Stück mit dem Zug und quartieren uns bei Starkregen in der Jugendherberge in Schaffhausen ein. In Schaffhausen ein Reinfall, nein der echte Rheinfall, der größte Wasserfall Europas, ca. 600m³ Wasser pro Sekunde stürzen über die Kreidefelsen. Auch trotz Tourismus und bei Regen noch sehr beeindruckend.

Zum guten Schluss rettet uns noch einmal eine B&B Besitzerin aus dem Regen, wir dürfen auf dem Dachboden ihres Beizlis’s ( Gelegenheitswirtschaft ) unsere Matratzen ausrollen. Alle Zimmer waren belegt und sie fand zelten bei so viel Regen einfach zu nass.  Wir waren glücklich im „Haus zum glücklichen Gast“. Unglaublich was man in einer Woche alles erleben kann, die letzte Etappe vor dem Bodensee war schon etwas hügeliger, so bereiten wir uns hier in Friedrichshafen auf die Alpen vor. Dabei haben wir Besuch von Janina und Patrick und erfahren alles Neue von der Familie.

PS: mit Anjas Popo ist alles oK, Anja streichelt täglich einmal über den Sattel und betrachtet die Knitterfalten im Leder, die beweisen das sich der Sattel langsam anpasst.

Fotos

09.09.2012

Viehscheiddäg

Viehscheid

Ich blättere im Tourismusprospekt von Oy – Mittelberg und lese über die schöne Landschaft des Allgäus, über Kneippkuren (Wassertreten im Bergbach), über Alphornbläser, aber mein besonderes Interesse wird geweckt als ich von der Viehscheid lese. Alljährlich, irgendwann im September, kommt das Jungvieh von der Alm zurück ins Tal, wohlgenährt vom frischen Gras und Wildkräutern und voller Energie. Ein berührender Moment soll es sein, wenn sie so ins Dorf getrieben werden. Ach, das würde ich doch gern mal sehen.
Wir radeln, seit wir den Bodensee verlassen haben, auf der Bodensee- Königsseeroute durch das Alpenvorland und dürfen schon mal von den Bergen kosten. Üppige grüne Wiesen und dahinter die Skyline der Alpen so geht’s  nach Pfronten zu Renate, Christian und Angelina.
Und jetzt ratet mal was an diesem Wochenende in Pfronten stattfindet: Viehscheid !!!!
Am Samstagmorgen geht’s los, alle haben sich sehr schick gemacht, traditionell mit Lederhose und Dirndl, unsere karierten Hemden werden auch akzeptiert. Wir nehmen Aufstellung an der Straße, irgendwann nähert sich Kuhglocken Geläut, die ersten kommen. Mit bunten Blumenkronen geschmückt und riesigen Glocken um den Hals werden kräftige Tiere an uns vorbeigeführt. Danach folgt das Jungvieh, getrieben von den Almhirten rennen sie aufgeregt und etwas orientierungslos voran. Aus verschiedenen Tälern kommend ist das Ziel der Dorfplatz, wir folgen dem Vieh über mächtig zugeschissene Straßen, aufpassen, wo man hintritt.
Im Dorf werden die Tiere zusammengepfercht, hier ist nun die Aufgabe der Hirten zu selektieren damit jeder Bauer sein Vieh zurückbekommt. Dafür werden die Tiere in ein Gatter getrieben und ab da nimmt der Bauer sie wieder in Empfang und muss jetzt sehen das er sie auf seinen Anhänger bekommt . Keine leichte Aufgabe, eine Kuh, die über Monate wild und in Freiheit gelebt hat, hat  es nicht mehr so mit den Umgangsformen.
Ein Mordsspektakel, ein bisschen wie auf einem Rodeo, dazu Volksfeststimmung mit so einigen Maß Bier und vielen, vielen Leuten .So einige Kühe wechseln noch den Besitzer, das kann schon so 3500 € pro Vieh kosten, besonders  wertvoll sind die „ Mohrkalbl“  , die Trächtigen. So stehen noch einige Tiere angebunden  und aufgereiht zum streicheln für uns bereit. Am Ende des Tages sieht man erschöpfte Kühe und es ist schwer zu sagen wer fertiger ist, das Vieh oder die Zuschauer nach vielen Litern Frischgezapftem!

Fotos

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